Prieros: Wie Wälder dem Klimawandel trotzen – Naturpark Dahme-Heideseen lädt zur Debatte über unsere grünen Lungen

Im Naturpark Dahme-Heideseen stand Anfang Januar ein Thema im Fokus, das angesichts zunehmender Hitzeperioden, Trockenheit und Extremwetter an Brisanz gewinnt: die Zukunft unserer Wälder. Beim ersten Naturpark-Gespräch am 08. Januar 2026 kamen in Prieros rund 50 Interessierte zusammen, um sich über Strategien für widerstandsfähige Waldökosysteme auszutauschen.

Renommierter Waldökologe als Impulsgeber

Als Referent konnte der Naturpark mit Pierre Ibisch einen der bekanntesten Waldökologen Deutschlands gewinnen. In seinem Vortrag machte der Professor deutlich, dass Wälder weit mehr sind als bloße CO₂-Speicher oder Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Sie übernehmen eine Schlüsselrolle im Wasserhaushalt: Intakte Wälder wirken wie natürliche Schwämme, nehmen Niederschläge auf, speichern sie und geben das Wasser langsam an den Boden und das Grundwasser ab – ein Prozess, der in Zeiten zunehmender Dürre immer wichtiger wird.

Das unsichtbare Schutzschild: das Waldinnenklima

Ein zentraler Schwerpunkt des Abends war das sogenannte Waldinnenklima. Gemeint sind die besonderen Temperatur-, Feuchte- und Lichtverhältnisse innerhalb eines geschlossenen Waldes. Durch Schattenwurf, Verdunstungskühlung und Windschutz entsteht dort ein deutlich kühleres und feuchteres Mikroklima als in der offenen Landschaft. Dieses schützt Bäume vor Hitzestress, bewahrt den Boden vor dem Austrocknen und schafft stabile Bedingungen für Bodenorganismen und Pilze, die für die Nährstoffversorgung unverzichtbar sind.

Geht dieses Mikroklima verloren – etwa durch Auflichtung oder Kahlschläge –, trocknen Böden schneller aus, die biologische Aktivität nimmt ab und junge Bäume haben kaum noch Chancen, sich zu etablieren.

Windkraft im Wald als Belastungsprobe

Besonders eindrücklich schilderte Ibisch die Auswirkungen von Eingriffen in geschlossene Waldstrukturen am Beispiel von Waldflächen mit Windkraftanlagen. Die dafür notwendigen Rodungen, breiten Zufahrtswege und dauerhaft offenen Bereiche verändern das Mikroklima massiv. Die Flächen erwärmen sich stärker, verlieren schneller Feuchtigkeit und werden windanfälliger. Statt stabiler Waldökosysteme entstehen Strukturen, die eher an Lichtungen oder Kahlschläge erinnern – mit erheblichen Folgen für die langfristige Waldgesundheit.

Der Boden als ökologisches Herz des Waldes

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Waldboden. Ibisch bezeichnete ihn als das „ökologische Herz“ des Waldes. Er ist zugleich Lebensraum für unzählige Organismen, Wurzelraum für Bäume und Pflanzen, Wasserspeicher sowie bedeutender CO₂-Speicher und -Senke. Seine Qualität entscheidet maßgeblich darüber, wie widerstandsfähig ein Wald gegenüber Klimastress ist. Wird der Boden geschädigt oder verdichtet, verlieren Wälder einen Großteil ihrer Anpassungsfähigkeit.

Großer Gesprächsbedarf bei den Teilnehmenden

Nach dem Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit dem Referenten sowie den Vertreterinnen und Vertretern des Naturparks ins Gespräch zu kommen. Die Resonanz zeigte deutlich, wie groß das Interesse an zukunftsfähigen Strategien für den Wald ist – auch und gerade im Landkreis Dahme-Spreewald, dessen Landschaft stark von Wäldern geprägt ist.

Das Naturpark-Gespräch machte klar: Die Herausforderungen des Klimawandels lassen sich nicht mit einfachen Lösungen bewältigen. Doch Wissen, Austausch und ein bewusster Umgang mit unseren Wäldern sind entscheidende Schritte, um ihre Schutz- und Lebensfunktionen auch für kommende Generationen zu erhalten.


Manuela Steyer

  s.sievert     14.01.2026     Allgemeines   |  Zuletzt geändert am14.01.2026um19:17