Garten- und Wochenendhäuser in Teupitz

Autor: Ortschronist Lothar Tyb'l

Abgesehen von einzelnen Ansiedlungen erfolgte der erste große Schub zur Ansiedlung von Datschen rund um den See mit der Auflösung des selbständigen Gutsbezirks Teupitz 1927/28 in der Weimarer Republik. Nach der Zuordnung des Großteils seiner Ländereien zu den Fluren der Stadt wurden um 1930 Bebauungspläne für den Egsdorfer Horst, die Liebesinsel, die Westufer des Sees, den Schweriner Horst, die Schlosshalbinsel, den Baumgarten und Kohlgarten ausgearbeitet und schrittweise realisiert.

Zu den Nutzern von Grundstücken auf dem Egsdorfer Horst gehörten u.a. die Antifaschisten Libertas Schulze-Boysen und ihr Mann Harro sowie der Hitler-Günstling Arno Breker.

Libertas und Harro Schulze-Boysen kauften die Parzelle am Westufer der Insel am 3. März 1942 von der Märkischen Wochenend-Gesellschaft, konnten es aber kaum noch nutzen,  da sie im Sommer von der Gestapo festgenommen und am 22. Dezember 1942 hingerichtet wurden. Ihr Vermögen wurde als ‚Reichsfeindvermögen‘ eingezogen. Die Rückübertragung des Grundstücks an die Erben nach der „Wende“ 1989/90  wurde abgelehnt, da keine Eintragung des Kaufs in das Grundbuch erfolgt sei. Die zur Erinnerung an beide Widerstands-kämpfer 1980 am Teupitzer Markt enthüllte Gedenktafel wurde nach 1990 abgerissen.

Arno Breker, einer der Lieblingsbildhauer Hitlers und Privilegierte des Nazi-Systems, erwarb 1939 von jüdischen Eigentümern ein Grundstück auf dem Egsdorfer Horst, nutzte es aber kaum.  Nach 1945 wurde  er in der SBZ enteignet und das Grundstück staatlich verwaltet. Die Spruchkammer von Donauwörth (Bayern)  stufte ihn etwa zeitgleich als ‚Mitläufer’ ein. Die Rückübertragungsansprüche seiner Erben nach 1990 wurden vom Amt zur Regelung offener Vermögensfragen abgelehnt.

Der zweite große Schub zur Ansiedlung von Datschen erfolgte während der 1950er und 1960er Jahre in der international zunächst isolierten und sich abschottenden DDR. Herausragende Mediziner wie Prof. Moritz Mebel, Prof. Kurt Scheidler. Prof. Kurt Winter und bekannte Künstler wie Liselotte Gruber, Richard Nicolas, Willi Bredel, Wolfgang Langhoff, Mathilde Danegger, Martin Bormann und prominente Politiker wie Kurt Hager, Erich Correns, Helmut Damerius, Karl-Eduard Schnitzler, Fred Oelsner und Gerhard Dengler erholten sich  in den DDR-Jahren auf den Inseln oder an den Ufern des Sees.

Ein bemerkenswertes, frühes Projekt in dieser Entwicklung war die „Künstlerkolonie Teupitzwerder GmbH“, die sich 1907-1911 bemühte, auf der Liebesinsel Künstler ansässig zu machen. Das Projekt  scheiterte zwar, fand aber im Wirken des Maler Walter Lindgens in den 1930er Jahren und Bert Hellers in den 1950/60er Jahren eine bedeutsame Fortsetzung.

Zwei Ölgemälde, die wahrscheinlich im Atelier auf der Liebesinsel entstanden, dokumentieren ihre Verbundenheit mit Teupitz.

„Liebesinsel“ von Walter Lindgens„Markt Teupitz“  von Bert Heller

Noch immer sind Wochenendgrundstücke auf den Inseln und am Ufer des Teupitzer Sees heiß begehrt und machen die Teupitzer Umgegend attraktiv. Seit 2016 wird ein neuer Bebauungsplan im Kohlgarten umgesetzt, der diesen Stadtteil nicht nur für die Wochenenderholung, sondern auch das ständige Wohnen umgestaltet. Ein Bebauungsplan für den Egsdorfer Horst ist in der Ausarbeitungsphase. Die stärkere Einbeziehung der „Datschennutzer“ in das gesellschaftliche Leben der Stadt steht auf der Tagesordnung.