Die Geschichte des Teupitzer Rathauses

Zunächst entwickelte sich Teupitz als zentraler Burgort (ab 1307) und Kirchenort (ab 1346). Seine erste Erwähnung als Stadt erfolgte 1437. Wie diese Bewidmung vor sich ging, kann in Ermangelung eines Stiftungsbriefes nicht gesagt werden. Wahrscheinlich liegt eine eigen-mächtige Handlung der Schenken von Landsberg vor.

Die weitere Entwicklung von Teupitz vollzog sich als Residenzstadt en miniature und Mediatstadt, die dem Land nur mittelbar (medial), über eine zwischengeschaltete hoheitliche Macht, erst den Schenken, dann den königlichen Amtmännern unterstand. Den Charakter einer Mediatstadt mit arg begrenzten Stadtrechten verlor Teupitz erst mit der preußischen Städtereform 1808, dem Verkauf des Schlosses seitens des Könighauses 1812 in Privathand und der daraus resultierenden Beendigung der Vorherrschaft der königlichen Amtsmänner. 

 
1830-1856
 

Auf der Grundlage dieser veränderten Gegebenheiten entschloss sich der Magistrat 1830 zum Bau eines eigenen Rathauses, um seine weitaus größeren Rechten zur kommunalen Selbstverwaltung (Finanz-, Schul-, Sozialwesen) effektiver wahrzunehmen. Wenn auch das Schloss mit dem Gutsbezirk bis 1927 neben der Stadt eigenständig weiter existierte, konnte sich die Stadt nunmehr selbständiger entfalten.

Das traufständige, zweigeschossige,  1830 vollendete 2000-Taler-Projekt mit Satteldach und zwei Fledermausgauben verfügte über einen Sitzungssaal, ausgestattet von einem namhaften Spender mit einem Eichentisch und 10 Stühlen, davon einer mit geschnitztem Stadtwappen, über Büro und Diensträume für den Bürgermeister und den Polizeidiener sowie ein Polizeigefängnis. Als erster Bürgermeister residierte hier Carl Wilhelm Gottgetreu von 1830-1856.

1899-1900
 

1899 wurde auf dem Rathaushof unter Einbeziehung des mindestens aus dem 17. Jahrhundert stammenden, tonnengewölbeförmigen Kellers ein Seitengebäude für eine weitere Amtsstube, die Armenstube und zwei Gefängniszellen angebaut, wofür ein angesehener Bürger 2000 Mark gespendet hatte.

1910-1964
  

Der 1910 erfolgte Aus- und Umbau durch den Architekten Paul Sagert gab dem Rathaus seine bis heute erhaltene Gestalt; die barocke Grundstruktur der Straßenfront blieb unverändert. Der dabei vom Ober- in das Erdgeschoss verlegte Sitzungssaal mit dem Stadtwappen im wertvollen Glasfenster dient heute auch als Standesamt.

Zur Ausstattung des Rathauses gehört seit den 1960er Jahren ein besonderes Originalgemälde;  der „Teupitzer Markt“, von Bert Heller (1912-1970), Maler, Professor und Rektor der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, 1964 mit dem Nationalpreis der DDR geehrt. Heller schuf das Gemälde als Dank an die Stadt, da er viele Jahre in dem Atelier auf der „Liebesinsel“ im Teupitzer See seinen Urlaub genoss

1974           
 

1974 beschlossen die Gemeindevertretungen von Egsdorf, Neuendorf und Tornow auf An-regung des Kreises Königs Wusterhausen nach anfänglichem Widerstand mehrheitlich den Anschluss ihrer bereits 1546 erstmals urkundlich erwähnten Dörfer an die Kleinstadt Teupitz. Der Kreis begründete sein Vorgehen mit einer höheren Effektivität der Verwaltung. Seitdem ist das Rathaus auch für das kommunale Geschehen in den diesen drei Stadtteilen zuständig.

1992-2008
 

1992 wurde das Rathaus zugleich Sitz des neu gebildeten Amtes Schenkenländchen. Der  gesetzlich verfügte Amtsbereich ließ die historisch gewachsene und durch die Kommunal-verfassung geschützte Selbständigkeit der einbezogenen 2 Kleinstädte (Teupitz und Märkisch Buchholz)  und zunächst 8, später 6 Gemeinden mit ca. 8700 Einwohnern bestehen,  vereinigte aber aus Effektivitäts- und Kompetenzgründen ihre Verwaltungstätigkeit in einem Amt als Service- und Dienstleistungseinrichtung für die Bürger.

Der Amtsbereich umfasst den Kern des von 1330–1717 existierenden Herrschaftsbereiches der Schenken von Landsberg. Die amtlich gebrauchte Charakterisierung des Schenkenländ-chens als ‚Tor zum Spreewald’ unterschätzt die eigenständigen Traditionen.

Als erster Amtsdirektor des zunächst 32 Mitarbeiter zählenden Amtes wurde vom Amtsaus-schuss, dem die Bürgermeister und Vertreter der Amtsgemeinden angehören, Reiner Oncken gewählt, ein Verwaltungsfachmann aus Schleswig-Holstein. Er amtierte von 1992–2003 und legte die Grundlagen für das Funktionieren dieser Verwaltungseinheit.

Als Amtsausschussvorsitzende waren bzw. sind ehrenamtlich tätig Dr. med. Karsten Kuhl (1992-2008) und Heinz Gode (seit 2008) und als ehrenamtlich Bürgermeister von Teupitz Karsten Kuhl (1990-2008) und Dirk Schierhorn (seit 2008).

1998 konnte mit Fördermitteln eine ca. 880 TDM teure Modernisierung des Gebäudes vorgenommen werden.

Zur Sicherung der Funktionsfähigkeit des Amtes wurde 2005 das einstige Nachbargebäude des 1997 in Konkurs gegangenen „Restaurants Kaatsch“ erworben und mit erheblichem finanziellen Aufwand für Bürozwecke umgebaut.

2008-2019
 

2014 wurde das Rathaus vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege wegen seiner baugeschichtlichen- und städtebaulichen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt. Es gehört zu den bemerkenswerten Bestandteilen des über Jahrhunderte gewachsenen Stadtkerns.

(Teupitzchronist L. Tyb'l)