Theodor Fontane und Teupitz

Fontane in der Stadt

Theodor Fontane reiste mit der Postkutsche von Berlin über Zossen nach Teupitz und weilte am 21. Juni 1862 im Hotel und Gasthaus „Zum goldenen Stern“. Zum Frühstück führte er ein Gespräch mit der ‚Stern’-Wirtin Friederike Wilhelmine Bullrich (1805–1881). Die literari-sche Ausbeute dieser Reise war sein bekanntes ‚Teupitz’-Feuilleton.

Das um 1850 eröffnete Gasthaus, hier auf einer Postkarte von ca. 1928, wurde 1967 zu einer HO-Verkaufsstelle umfunktioniert und 1995/96 durch den jetzigen Neubau ersetzt. Am 1. Mai 1975 war von der Stadt an dem Haus eine Tafel zur Erinnerung an den großen Romanciers eingeweiht worden, die seit dem Abriss des Gebäudes verschwunden ist.

„Ich reiste am Freitagabend um acht hier (in Berlin) ab und war um vier Uhr morgens in Teupitz, schlief drei Stunden in einem Bett, in dem wenigstens schon einer geschlafen hatte, fuhr dann über den schönen See, besuchte Schloß und Kirche, zuletzt einen Berg, von dem aus man die ganze Herrschaft Teupitz mit ihren Bergen und Seen überblickt, fuhr um zweieinhalb wieder ab und war um neuneinhalb schon wieder in Berlin.“

Fontanes an seine Frau Emilie vom 23. Juni 1862

„Das Picken des Nagelschmieds von der Ecke gegenüber weckt mich, und während die Frühstücksstunde kommt und die braunen Semmeln neben die noch braunere Kanne gestellt werden, setzt sich die ‚Sternen‘-Wirtin zu mir und unterhält mich von Teupitz und dem Teupitzer See. ‚Ja‘, so sagt sie, ‚was wäre Teupitz ohne den See. Wir wären längst ein Dorf, wenn wir das Wasser nicht hätten‘.“

Teupitz-Feuilleton Fontanes, erstmals erschienen 1862

Der zweite Aufenthalt Fontanes in Teupitz ist datiert mit dem 8. Juli 1874. Die dreitägige Fahrt mit der Segeljacht „Sphinx“ von Köpenick auf dem Wasserweg fand ihren Niederschlag in einem der lebendigsten Kapitel seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“: ‚Die wendische Spree’.

„Überschlage ich meine eigene Reiserei, so komme ich zu dem Resultat, daß ich von solchen Spritzfahrten in die Nähe viel, viel mehr Anregung, Vergnügen und Gesundheit gehabt habe, als von den großen Reisen, die sehr anstrengend, sehr kostspielig und meist demütigend sind. … In Teupitz und Wusterhausen aber, und nun gar in Priegnitz und Havelland bin ich immer glücklich gewesen.“

Brief Fontanes an seinen Sohn Theo am 4. Mai 1894

 
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"Fontane-Pavillion"

Am 21. Juni 1862 wanderte Theodor Fontane hinauf auf dem Geesenberg:

„Wir haben den See befahren, das Schloß und die Kirche besucht, es bleibt uns nur noch der Geesenberg, ein Hügel am Südrande der Stadt gelegen, von dem aus man das gesamte Schen-kenländchen überblickt. Wir erreichen seinen höchsten Punkt und haben in weitgespanntem Bogen eine Kessellandschaft vor und unter uns.“

Aus: Teupitz-Feuilleton Fontanes

Der Pavillon wurde erst 1908 als Aussicht der Landesklinik errichtet; im Volksmund wird er trotzdem mit dem Aufenthalt Fontanes verbunden. Die Aussicht wieder zu eröffnen und den Pavillon zur Erinnerung an den Fontanebesuch zu restaurieren und umzugestalten, wäre ein Anliegen zum 200. Geburtstag Fontanes am 30. Dezember 2019.

Fontane-Park

1928 wurde Fontane anlässlich seines 30. Todestages von der Stadt durch die Namensgebung des Platzes hinter dem Kantorat geehrt – als ‚eigentlicher Entdecker der Schönheiten unseres Sees und unserer Stadt’.

Bei der Sanierung des Platzes 1989 wurde ein von Gerhart Kleinert, dem Vorsitzenden des hiesigen Anglerclubs, geschaffener Gedenkstein mit der Aufschrift ‚Fontane Park’ aufgestellt.

2003 konnte dieser Platz auf Initiative des Bürgermeisters Dr. Kuhl mit Mitteln der Städtebauförderung in Höhe von 165.000 € neu gestaltet werden als überzeugende Kombination von Kinderspiel-, Park- und städtischem Festplatz.

2011 wurde der Park vervollständigt  durch die attraktive „Seebrücke“, eingeweiht vom Architekten Vilco Scholz, Bürgermeister Dierk Schierhorn, Klaus Schwidde und André Kuhla (von rechts).

Die auf Stahlpfählen ruhende Stahlkonstruktion ragt ca. 30 m in den See; der Steg hat ein ca. 2,5 m hohes und festes Geländer in verzinktem Stahlgestell und ist mit Holzbohlen belegt. Eine Plattform von ca. 90 m² wird von einer Segel-Imitation überragt, die mittels Stahlseilen verankert ist. Die Brücke konnte mit Fördermittel um 450 TDM errichtet werden, wobei ca. 25 % der Kosten von der Stadt zu tragen waren. Zum Anlegen von Booten wurde an der Gutzmannstraße ein besonderer Steg errichtet. Die „Seebrücke“ ist ein Platz zum besinnlichen Nachdenken, ein Ausblick auf den schönen See und die ihn säumenden Ufer.

(Teupitzchronist L. Tyb'l)