Der Tuptzer Hafen als geschichtsträchtiger Ort

 
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Der Name verdeutlicht durch die alte slawische Schreibweise von Teupitz die Verbundenheit mit der 700-jährigen Stadtgeschichte und betont das Besondere des Hauses, Hafen im doppelten Sinne zu sein: Einkehr in ein geschichtsträchtiges Lokal sowie Ausgangs- und Endpunkt besinnlicher Schiffs- und Bootsfahrten auf dem Teupitzer See.

Am 28. Juni 1997  wurde auf dem Standort Markt 16 eine gastronomische Einrichtung eröff-net, der ‚Tuptzer Hafen’. Nach der Schließung des Restaurants im Vorderhaus sind ein Café und ein Restaurant in den neu errichteten  Hofgebäuden entstanden.

Neben diesen Lokalitäten wirken hier die bereits am 22. Juni 1996 eröffnete Bootsausleih-station und der 2005 aufgenommene Fährbetrieb mit einem Lastenponton von Hans Kaubisch sowie ein Anlegesteg für die Dahme-Schifffahrt-Teupitz.

Einwohner und Gäste der Stadt schätzen den ‚Tuptzer Hafen’ als einen beliebten Treffpunkt mit Freunden und Bekannten. Hier entstand ein neuer Kristallisationspunkt eines zukunfts-orientierten Tourismus rings um den Teupitzer See, vergleichbar den drei Teupitzer Seegaststätten vor einem Jahrhundert.

An diesem Standort wurden bedeutsame Momente der Stadtgeschichte geschrieben:

 

  • 1874 öffnete das „Restaurant Marwitz“ seine Gaststuben;
  • 1900 wurde das Haus wie ganz Teupitz zum „Mekka“  Berliner Ruderer;
  • 1907 gründete sich die Ortsgruppe des Arbeiter-Radfahrbundes-Deutschlands;
  • 1911 wurde der einflussreiche „Obst-und Gartenbauverein“  geboren;
  • 1912 lud die erste städtische Badeanstalt  zum Baden im See ein;
  • 1918 konstituierte sich der Arbeiter-und Soldatenrat;
  • 1943 gewährten Frieda und Richard Rau dem Juden Ernst Wolff illegalen Aufenthalt.
     

Restaurant Marwitz 1874-1922

Postkarte um 1918Selbst bei den ältesten Teupitzern ist es fast vergessen, das 1874 bis 1922 am Markt 16 geöffnete ‚Restaurant Marwitz’, benannt nach seinem Begründer, dem Kaufmann Wilhelm Marwitz (1830–1906). Durch ein Restaurant, eine große Gartenhalle und eine Dampfer- und Bootsanlegestelle nahm das Haus in seiner Zeit eine zentrale Stellung im gesellschaftlichen Leben der Stadt ein.

Seiner erfolgreichen Entwicklung lagen die begünstigenden Bedingungen der Gründerjahre und der langen Friedensperiode von 1871 bis 1914 zugrunde. Der Schwiegersohn, Hermann Lange, leitete mit Umsicht das Haus seit 1902, auch durch die schwierigen Kriegsjahre 1914-1918, ehe es der Halber Gastwirt Otto Schneider bis zu seiner Schließung 1922 übernahm. Der Kriegssorgen ledig, feierten die Teupitzer hier den Sylvesterabend 1918 mit einem Konzert und Tanz.

Die Schützengilde (1857), der erste Teupitzer ‚Sängerkreis’ (1872), der ‚Obst- und Gartenbauverein’ (1911), der ‚Kleintierzuchtverein’ (1917) hatten hier bis 1922 ihr Zuhause. Berliner Ausflugsdampfer und Rudervereine hielten am Steg. Theaterstücke hiesiger Vereine und Berliner Bühnen kamen zur Aufführung, Tanzunterricht zog die Jugend an.

Es sollte 75 Jahre, von 1922 bis 1997,  dauern, ehe durch den ‚Tuptzer Hafen’ die Traditionen des Marwitzschen Restaurants fortgesetzt wurden.

 

Mekka der Ruderer um 1900, Eierfahrten

Die Gründung des ersten ‚Berliner Rudervereins 1876 e.V.’‚ die erste Ruderregatta 1880 in Grünau und die 1895 verfügte Einführung des Schülerruderns in Berlin wirkten als Initial-zündung auch für den Rudersport in den Teupitzer Gewässern. Zwischen 1895–1900 entdeckten die Berliner und Brandenburger Ruderer die Schönheit der Teupitzer Wasser-straße. Durch seine gastfreundliche Kommunalpolitik sowie seine einladenden Ausflugsgast-stätten wurde Teupitz in kurzer Zeit ein Mekka der Berliner Ruderer. Die Vereine Amicitia, Borussia, Hella, Sturmvogel, Berliner RC, Favorite, Viktoria, Neptun, RC Rahnsdorf, Rudergesell Gorch Fock und andere machten Himmelfahrt, Ostern und Pfingsten zu Festtagen des Rudersports in Teupitz.

Die beliebte, fast vergessene Tradition der Eierfahrten entstand. Die jährlich zuerst eintreffen-den Ruderer erhielten von jedem Gastwirt, an dessen Steg sie anlegten, eine Mandel (15–16 Stück) frischer Eier. Wahrscheinlich entstand dieser Brauch im Zusammenhang mit dem Osterfest, das häufig den Beginn der Rudersaison einläutete. 1912 trafen fünf Ruderer des Vereins ‚Neptun’ bereits am 10. Januar in ‚Tornow‘s Idyll’ ein, um die erstrebte Mandel Eier zu erhalten.

In den 1920er Jahren wurden die Rudertraditionen ergänzt durch die Segelregatten und Motorbootrennen des ‚Segel-Clubs-Schwerin’ bzw. des ‚Yachtclubs Teupitzsee e.V.’

 

Obst-und Gartenbauverein 1911

1911 wurde im ‚Restaurant Marwitz’ dieser heute vergessene, für die Stadt überaus wichtige Verein mit dem Ziel gegründet, die Teupitzer Gegend zu einem ähnlich bedeutsamen Obstan-baugebiet zu entwickeln wie Werder bei Potsdam. Bis 1921 wurden etwa 3025 Obstbäume in Teupitz gepflanzt. Die 130 Mitglieder trafen sich bis 1922 regelmäßig im Vereinslokal ‚Marwitz’ und nach dessen Schließung im ‚Goldenen Stern’. Die Vereins- und Erntefeste hatten wie die Schützenfeste immer stadtweiten Zuspruch. Als Vorstandsmitglieder prägten Bürgermeister Johannes Schäfer und der Arzt Dr. Albert Gutzmann wesentlich die Geschicke des Vereins.

Die stark besuchten Aufklärungsabende des Gartenbauvereins führten auch zur Gründung des Teupitzer Imker-Vereins 1931.

Letztlich sind die Ziele, Teupitz zu einem Obstanbaugebiet zu machen, aus vielerlei Gründen gescheitert, ebenso wie der Versuch Baron von Parparts, den Weinanbau hier wieder heimisch zu machen.