Die Geschichte des Schloss Teupitz

Autor: Ortschronist Lothar Tyb'l

1307-1330
 

Errichtung und Sitz des brandenburgischen Adelsgeschlechts derer von Plötzke

1330-1717
 

Residenz der Schenken von Landsberg, die vorher ihren Stammsitz im anhaltinischen Landsberg bei Halle hatten

Ihr Teupitzer Schloss erhob sich auf einem Grundriss von ca. 29 m x 21 m drei Stockwerke hoch mit zwei Giebeln - vergleichbar dem auf Umbauten der Schenken zurückgehenden Schloss in Königs Wusterhausen. Fast 400 Jahre dominierte das Wappen dieses Adelsgeschlechts im südlichen Teil Brandenburgs, ein silberner Schild mit einem aufrechten schwarzen, gekrönten Löwen.

1717-1812
 

Amt der königlich-preußischen Domänenverwaltung, Sitz eines Amtmanns

Eine Stele vor der Heilig-Geist-Kirche erinnert an den Oberamtmann Ludwig Bein, eine Grabplatte an der Südseite der Kirche an die Ehefrau des Oberamtmanns Carl Friedrich Westphal. Auf königliche Order wurde das Schloss 1788-1791 wegen Baufälligkeit fast vollständig abgerissen. Nur die Hälfte des untersten Stockwerkes wurde beibehalten und für den Amtmann als schlichtes eingeschossiges Gutshaus mit Mansardendach umgebaut. Erhalten sind von dem einst stolzen Schenkenschloss heute allein Reste der starken Schlossmauer und des stadt¬seitigen Wachturms.

1812-1927
 

Rittergut und selbständiger Gutsbezirk

Häufiger Eigentumswechsel bis Baron von Parpart das Schloss 1860 erwarb und einen neuen Aufschwung einleitete, der bis zu seinem Tode im Jahre 1910 anhielt. Von Parpart erweckte den Weinanbau auf dem Schlossterrain und initiierte am Teupitzer See die erste künstliche Fischzucht in Brandenburg. Aktiven Widerstand erntete er wegen der widerrechtlichen Sperrung der öffentlichen Zufahrt zum Teupitzer See von 1903-1910. Stolz präsentierte von Parpart über dem Hauptportal des Gutshauses sein Wappen, ein blaues Schild mit zwei roten Balken.

1930-1934
 

Hotel und Restaurant ‚Schloß am Teupitzsee'

Nach der 1927 gesetzlich verfügten Auflösung der Rittergüter eröffnete Paul Hamburger nach umfangreichen Umbauten am 15. 6. 1930 ein Hotel, das in kurzer Zeit zu einer gefragten Adresse wurde. Am 11.10. 1930 verkaufte Hamburger das Hotel an den Berliner Brauer Georg Ziebarth. Als Naziaktivist machte dieser es zu einem Treffpunkt der NSDAP, trotzdem ging er 1934 in Konkurs.

1937-1945
 

Kunstgewerbliche Produktionsstätte

Kunstgewerbliche Produktionsstätte der Eheleute Karla und Gerhart Drabsch im NS-Geist mit Näherei, Holzschnitzerei und Hauswirtschaft. Über dem Schlosstor prangte das ‚germanische' Symbol vom Rad der Arbeit und Baum des Lebens. 1945/48 erfolgte die Enteignung und Überführung des Schlosses in Volkseigentum.

1945-1956
 

Wohnsitz für Umsiedler, öffentliches Kulturzentrum, Konferenzstätte, Kinderferienlager und Ferienheim eines Berliner Außenhandelsbetriebes

1956-1989
 

Betriebsferienheim

Betriebsferienheim für Mitarbeiter des Zentralkomitees (ZK) und Parteiveteranen der SED, mit 20 Zimmern in einfacher Ausstattung. 1984-1986 durchgehende Modernisierung und Erweiterung auf 60 Zimmer. 1973/74 Aufnahme und Betreuung chilenischer Emigrantenfamilien nach dem Militärputsch Pinochets.

1990-2005
 

‚Schlosshotel Teupitz'

Mit der Wende wurde das Heim in die Hotelkette ‚Belvedere' überführt und öffentlich zugänglich. Nach Vollzug der deutschen Einheit verkaufte die Treuhand das Objekt an den Hauptgesellschafter des privaten Bankhauses Löbbecke. Das Hotel erzielte für kurze Zeit hohe Anerkennung in der Region. Die Bau- und Investitionspläne mit einer Summe von 40 Mill. DM scheiterten.

 Gegenwart
 

Am 27. Juli 2005 wurde das Objekt zwangsversteigert und von dem neuen Eigentümer geschlossen. Seine Zukunft ist derzeit ungewiss.Leider steht das Schloss derzeit auch Besuchern nicht zur Besichtigung offen.

Dokument der urkundlichen Ersterwähnung am 11. November 1307

Aufbewahrt im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin Dahlem

Der ins Hochdeutsche übersetzte Text lautet:

„Wir wollen, dass unsere Gesetze und Schriftstücke ewiglich Bestand haben. Darum geschieht es, dass wir, Hermann, Markgraf zu Brandenburg, Markgraf zur Lausitz und Herr zu Henneberg, für alle diejenigen, die diesen Brief sehen, hören oder lesen offen bekunden und bezeugen, treuer Dienste wegen, die uns von unseren lieben getreuen Ratmännern und allen unseren gemeinen Bürgern geleistet wurden und weiterhin geleistet werden mögen mit diesem jetzigen Brief unserer Stadt Mittenwalde alle Holzungsrechte übertragen haben in den Wäldern, Brüchen und Gehölzen von Denekens Damm fort bis zu den Bestwinischen Bergen und dann weiter bis zu der Brücke über das Flies, das gewöhnlich Pupaw genannt wird, damit sie dort frei und friedlich, ohne Anfechtung und Hindernisse großes und kleines Holz zum Bauen und zum Brennen schlagen und hinwegführen können, unbehindert durch die von Plotzick und nachkommende Herren, die es in aller Zukunft auf dem Tuptz geben mag, also für immer im Besitz unserer fürstlichen Gabe. Wäre es so, dass alle genannten Stätten ausgeholzt und zerstört wurden, gestatten wir über unsere milde fürstliche Gabe hinaus, dass sie ohne irgendwelche Gefahr und ohne Widerspruch und Klage befürchten zu müssen, alles nötige Holz wie diesseits vom Tuptz auch jenseits davon gewinnen und wegschaffen können. Auf dass unsere Gabe der genannten Holzungsrechte unseren lieben Bürgern unserer Stadt Mittenwalde ganz und fest und unverrückbar bleiben soll, haben wir unser großes Insiegel an diesen Brief hängen lassen, wofür Zeugen sind die festen und lobwürdigen Bernt von Plotzick und Herr Frederick von Alveslewen, Herr Drosseken, Herr Busse von Gruvelhut und viele ehrliche andere Leute, die dabei waren. Dieser Brief ist gegeben worden in unserer Stadt Spandau nach Gottes Geburt im dreizehnhundertsiebenten Jahr, am Tage des heiligen Bischofs und Fürbitters St. Martin.“

Das verschwundene Wasserschloss

Die Entstehung der Burg Teupitz um 1307 und die Stationen ihres Ausbaus zu einem imposanten Wasserschloss der Schenken von Landsberg liegen vielfach noch im Dunkeln der Geschichte. Als relativ sicher gilt, dass sie während der deutschen Kolonisation dieses Gebietes, möglicherweise auf den Fundamenten einer slawischen Fluchtburg entstand.

Detaillierte Beschreibungen des fertigen Bauwerks können im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem eingesehen werden. 1668 entstand ein Inventar-verzeichnis wegen des zeitweiligen Verkaufs des Teupitzer Schlosses (bis 1679) an den benachbarten Graf Solms zu Baruth. 1685 ist ein kurfürstlicher Inspektionsbericht verfasst worden, weil sich die Teupitzer Schenken erneut mit dem Verkauf ihres Schlosses aus dem drohenden Ruin zu retten gedachten und der brandenburgische Kurfürst die Absicht hatte, Teupitz seinen bereits 1680 und 1683 erworbenen Schlössern in Köpenick und (Königs) Wusterhausen  hinzuzufügen.

Nach diesen beiden Zeugnissen hatte das Teupitzer Schloss einen ca. 21 m x 29 m großen Grundriss und erhob sich drei Stockwerke hoch mit zwei Giebeln wie das (Königs) Wusterhausensche Schloss, nur das es höher war als dieses und vorn nicht einen runden, sondern viereckigen Erker besaß, in welchem sich die Windelstiege befand.

Es verfügte über starke, aus sehr viel früherer Zeit stammende Grundmauern. Das Bauwerk gründete sich auf sehr hohe Keller und Gewölbe, sodass eine Treppe hinaufgestiegen werden musste, wollte man in die untersten Gemächer gelangen.

Im ersten Stock befanden sich ein großer Saal, die Hofstube und eine kleine gewölbte Kapelle. Die Küche mit einer Tafelstube und weiteren Kammern lagen im mittleren Stockwerk. Im dritten Stock waren  Wohnräume und ein Saal für die herrschaftliche Familie eingerichtet. Der oberste Stock ist wahrscheinlich 1554 nach einem Brand neu gebaut worden; jedenfalls deutete eine in Ziegelsteine einbrannte Jahreszahl darauf hin.

Umgeben wurde das gesamte Anwesen von einer uralten, breiten, anderthalb Mann hohen Mauer, deren unterer Teil aus Feldsteinen und oberer Teil aus Ziegeln hoch gemauert war. Über dem Tor zur Stadt hin erhob sich ein massiver Wachturm, schon aus der Zeit, als der Herrschaftssitz als Raubschloss oder Fluchtburg gedient haben mag. Stadtseitig war die Mauer in dieser Zeit noch gut erhalten.

An die der Stadt abgewandte Seite der Schlossmauer waren die Pferdestallungen sowie ein Brau- und Backhaus gebaut worden. Das zum Schloss gehörende Vorwerk mit Wohnhaus, Scheune und Viehställen für Rinder, Schweine und Federvieh befand sich, durch den Knüppeldamm vom Schlossterrain getrennt, am Seeufer, in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche und Pfarrei.

Der Inspektionsbericht von 1685 enthält die einzige stilisierte Zeichnung des Schlosses sowie eine beeindruckende Schilderung des Schlosspanoramas. In krassem Widerspruch zur Schönheit des Panoramas stand schon in jenen Jahren der marode Zustand des Schlosses und der anderen Bauten. Die Schenken von Landsberg hatten längst ihren Machtzenit überschritten und 1664 das zum Schenkenländchen gehörende Gebiet und Schloss (Königs) Wusterhausen verkaufen müssen. Im Jahre 1717 sahen sie sich  gezwungen, auch den Kaufabsichten des preußischen Königs  am Schloss Teupitz nachzugeben.

Schloss KönigsWusterhausenSchloss Köpenick

Da sich die seit 1668 gehegten Kaufpläne solange verzögert hatten, bestand für den preußischen Königshof selbst kein Verwendungszweck mehr für das Teupitzer Schloss. Das (Königs) Wusterhausensche Renaissanceschloss wurde von Friedrich Wilhelm I. (genannt der „Soldatenkönig“) nach seiner Thronbesteigung 1713 in sparsamer Barockbauweise modernisiert und zum königlichen Jagdsitz auserkoren. Die erweiterte Schlossanlage um das Köpenicker Schloss entstand für Kurprinz Friedrich 1677-1688.

An Teupitz interessierten den preußischen König nur die Abgaben sowie das seen- und waldreiche Jagdgebiet. Aus dem ca. 400-jährigen Herrschaftszentrum der mächtigen Schenken von Landsberg wurde lediglich ein Amt der königlich-preußischen Domänen-verwaltung, Wohnstatt und Sitz eines königlichen Amtmannes. Die Folge war, dass dieses Schloss im Unterschied zum Köpenicker und (Königs) Wusterhausenschen wegen mangelnder Mittel für die Instandhaltung und Modernisierung immer mehr verfiel und schließlich um  1788-1791 fast vollständig abgerissen werden musste. Nur eine Hälfte des untersten Stockwerks wurde beibehalten und bereits 1769 für den Amtmann als eingeschossiger Putzbau mit Mansardendach ausgebaut.

Reste des Wachturms und der Schlossmauer, Foto  2002Seitdem hat das alte Bauwerk auf dem kleinen Werder, der späteren Halbinsel, vielfache Veränderungen durch den Um- und Ausbau als privates Rittergut, Hotel-Restaurant, kunstgewerbliche Produktionsstätte oder Wohnheim für Umsiedler erfahren. Seine jetzige Gestalt erhielt es in den Jahren 1984-1986 bei der  Modernisierung und Erweiterung als Betriebsferienheim des Zentralkomitees der SED. Keine Bauten sind im originalen Zustand erhalten.

An das verschwundene mittelalterliche Wasserschloss erinnern nur die Reste der uralten Umfassungsmauer und des stattlichen Wachturms. Sie aber genügen, um der Phantasie freien Lauf zu lassen, dem wechselhaften Schicksal des Schlosses nachzugehen und seine möglichen Perspektiven zu bedenken.

Drei Adelsgeschlechter - von Plotzick, Schenken von Landsberg, Baron von Parpart

Bernt von Plotzick, Begründer des Schlosses (1307- um 1330)

Woher kam Bernt von Plotzick,  der erste Herrscher auf Burg Teupitz? Mitunter wird der  Name des in der ersten schriftlichen Urkunde zu Teupitz genannten Bernt von Plotzick, der ab ca. 1307 auf dem ‚Tuptz’ herrschte, mit den Plötzen im Teupitzer See in Verbindung gebracht. Im Wappen des 1992 gebildeten Schenkenländchens ist wohl deshalb eine rote Plötze in den Pranken eines aufrecht stehenden schwarzen Löwen zu sehen.

Aus der Geschichte der Schenken von Landsberg, die von 1330 bis 1717 in Teupitz residierten, ist lediglich zu erfahren, dass Bernt von Plotzick seinen Stamm- und Familiensitz in der Nähe der Stadt Brandenburg hatte und  schon um 1295 im Dienste des Landesherrn stand.

Der Teupitzer Magistrat vermutete 1862, dass Bernhard von Plotzick aus dem alten Grafenhause Plötzke hervorgegangen ist. Nach unseren Erkundungen könnte tatsächlich in Betracht gezogen werden, dass es sich bei dem Teupitzer Bernt (Bernd, Bernhard, Bernhardus) von Plotzick (Plötzkau, Plötzke, Plozeke) um einen Nebenzweig des einst in dem anhaltinischen Dorf und Schloss Plötzkau an der Saale bei Bernburg ansässigen,  mächtigen Geschlechts der Grafen von Plötzkau handelte. Sein letzter bedeutender Vertreter Graf Bernhard von Plötzkau fiel jedoch 1147 während eines Kreuzzuges. Dieser Graf war mit Albrecht dem Bären, dem Begründer der Mark im Jahre 1157, verwandt und sein Bruder Konrad von Plötzkau war 1130-1133 Markgraf der Nordmark, einem Vorgebilde der Mark Brandenburg und in diesem Amt ein Vorgänger Albrecht des Bären.

Wahrscheinlicher ist deshalb, dass der Teupitzer Bernt von Plotzick ein Nachkömmling der  nach dem Zerfall der Grafschaft Plötzkau dort zur Macht gelangten Ministerialen ist, die bald als ‚Ritter von Plötzkau’ einen Ruf besonderer Tüchtigkeit genossen und zwei Jahrhunderte auf Burg Plötzkau herrschten.

Schloss und Ort Plötzkau, Postkarte 1995Unter Ministerialen (minister = Diener) verstand man unfreie Leute, die eine besondere Vertrauensstellung bei Fürsten und Herren einnahmen, dadurch an Macht und Einfluss gewannen und die große Masse des mittelalterlichen Dienstadels bildeten.

Bernhard von Plötzkau (1280-1320) teilte sich die Herrschaft über Plötzkau mit seinem Bruder Heinrich, während ihr Bruder Friedrich Domherr zu Halberstadt wurde. Das Wappen  des Bernhard von Plötzkau war ein Helm mit schräg gestelltem, dreimal quer geteiltem Schild. Ein konkreter Hinweis  auf Teupitz war dieser anhaltinischen Geschichte und ihren überlieferten Urkunden nicht zu entnehmen.

Deshalb wurde einer dritten Spur nachgegangen, nach welcher Bernhard von Plötzke aus dem Hause derer von Plötzke kommt, deren Stammhaus sich inPlötzke (heute Plötzky) bei  Gommern an der Elbe südlich von Magdeburg befand. Diese uralte adlige Familie aus Meißen hatte einen ersten Stammsitz in Plötzko im polnischen Masovien und residierte ab 1228 in Gommern. 1305 lebten dort die Brüder Heinrich, Bernhard, Friedhelm und Otto von Plötzke. Heinrich von Plötzke wurde 1309 zum ersten Groß-Comtur des Deutschordens gewählt.

In Urkundensammlungen zur Geschichte der Mark Brandenburg ist 1186 Burchardus de Plozeke erwähnt, allerdings ohne Bezug zu Teupitz, 1303-1316 Friedrich von Plötzke als  brandenburgischer Bischof und 1310  Bernhard von Plötzke als Bevollmächtigter des brandenburgischen Markgrafen bei der Übergabe von 5000 Mark Silber an den Deutschorden.

Die genaue Herkunft des ersten Teupitzer Burgherren bleibt noch ungeklärt. Er scheint  erhebliche politische Macht in der noch jungen Mark Brandenburg gehabt zu haben und sein Einfluss scheint nicht, wahrscheinlich nicht einmal in erster Linie, auf die entstehende Burg Teupitz und ihre engere Umgegend  begrenzt gewesen zu sein.

Als Wappen des Amtes Schenkenländchen käme aus frühhistorischer Sicht das Wappen Bernhard von Plötzkes in Frage. Als Namensursprung für Plötzke/ Plötzkau/ Plotzky gelten die wendischen Begriffe blocicko = Sumpf, Morast, ein Hinweis auf die Lage und Bodenverhältnisse der Ortschaften, oder (und)  plotištko = kleiner umzäunter Ort (Grenzfestung).

Beide Begriffserklärungen träfen auf den Teupitzer Werder an der Ostküste des gleichnamigen Sees zu, auf dem später das  Wasserschloss der Schenken errichtet wurde. Weder die Plötze aus der Saale noch aus dem Teupitzer See hat hier Pate gestanden, auch wenn sie sich noch so aufdringlich rot im Wappen des Amtes Schenkenländchens ins Blickfeld drängt.

 

Die Schenken von Landsberg (um 1330-1717)

Inschriftstein an der Ostseite der Heilig-Geist-Kirche: Der Edle OttoSchenk von LandsbergAls der glänzende Aufstieg der jungen brandenburgischen Markgrafschaft vorerst ein Ende nahm, war der Markgraf Ludwig von Brandenburg gezwungen, die Lausitz im Jahre 1328 wieder an den Herzog Rudolf von Sachsen zurück zu pfänden. Durch diesen wurde um 1330 das meißnisch-lausitzsche Adelsgeschlecht der Schenken von Landsberg mit der Herrschaft Teupitz belehnt, vielleicht wurde diese aber auch durch Kauf von denen von Plötzke erworben.

Neben der Burg Landsberg bei Halle gehörte diesem Geschlecht auch die Burg und Herrschaft Seyda bei Wittenberg, weshalb ihr Adelstitel häufig als „Schenken von Landsberg und Seyda“ geschrieben wurde. Als „Edle“ (nobiles ) und damit dem höheren Adel zugehörig bezeichneten sich die Schenken erst als Herren von Teupitz. Das verdeutlichen zwei Ziegel in der Ostwand der Teupitzer Kirche mit gotischer Inschrift -„nobil(is) d(ominus) otto / Schenk de la(n)dsb(erg)“, Der Edle Herr Otto von Landsberg -, die wahrscheinlich bei dem von ihm veranlassten Umbau der Kirche ca. 1566 dort eingelassen wurden.

Der erste bekannte und einflussreiche Teupitzer Schlossherr dieses Adels war Albrecht von Landsberg, der beispielsweise 1357 als Schlichter den sächsisch -brandenburgischen Streit um Bärwalde, Trebbin und Brück vermittelte. Ostern 1393 fand die Verlobung der Elisabeth von Landsberg mit Dietrich von Quitzow, einem Spross des in Deutschland bekannten Raubrittergeschlechts auf Burg Teupitz statt, im folgenden Jahr die Hochzeit in Berlin. Nur wenigen ist bewusst, dass Hans Kohlhaase (ca. 1500–1540) um 1535 auch die Teupitzer Herrschaft mit seinen Mannen durchstreifte. Auf dem Marktplatz ging er offen spazieren, in der Hohen Mühle und in der Mittelmühle fand er Unterschlupf und wurde selbst von der verwitweten Schenkin Katharina von Biberstein geduldet.

Die Macht der Teupitzer Schenken stand in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in ihrer Blüte; ihr Herrschaftsbereich umschloss selbst die Städte Wusterhausen und Buchholz, Mitglieder der Familie dienten als Berater und Diplomaten an verschiedenen Fürsten- und Königshöfen. Der große Besitz und eine relativ selbständige, geschickte Politik sicherten ihrem Teupitzer Zweig beträchtlichen Einfluss in dem umstrittenen Grenzgebiet zwischen Brandenburg und Lausitz.   

Charakteristisch waren zugleich vielfache Zwistigkeiten zwischen den einzelnen Familienmit-gliedern um die Vorherrschaft auf dem Schloss und jahrelange Rechtsstreitigkeiten mit den Nachbarn wegen willkürlicher Eingriffe in deren Ländereien.

Nach dem 30-jährigen Krieg (1618-48) überschatteten Verschuldung, Familienkämpfe und Sittenverfall das einst ruhmvolle Geschlecht der Schenken von Landsberg. Das Schloss verfiel, die Weinberge verwilderten, die Heiden und Wälder boten einen trostlosen Anblick. 1668 musste Christian Schenk von Landsberg das Städtchen Teupitz sogar zeitweilig an den Grafen Solms zu Baruth für zehn Jahre verkaufen. 1687 vernichtete ein verheerender Brand die Stadt fast vollständig, was den Schenken ein erhebliches Manko an Einnahmen und Dienstleistungen für das Schloss einbrachte, die sie mit drakonischer Gewalt gegenüber den Einwohnern aber trotzdem zu erpressen suchten.

Der letzte Schenk, Christian-Alexander sah sich wegen ökonomischen Ruins und akut aufbrechender Degenerationserscheinungen seines Adelsgeschlechts veranlasst, den Kaufab-sichten des preußischen Königs für Teupitz und das Schenkenländchen 1717 entgegen zukommen und verkaufte ihm das Schenkenländchen am 18. Dezember 1717 für 54000 Taler. Sein Bruder Karl-Albrecht starb am 30. März 1721, er selbst am 15. Juli 1721. Mit ihnen endete die fast 400-jährige Herrschaft der Schenken von Landsberg. Ihr Wappen, ein aufrecht stehender schwarzer, gekrönter Löwe auf silbernem Schild, liegt dem Wappen des Amtsbereichs Schenkenländchen zugrunde.

Abgesehen vom mächtigen Wasserschloss auf dem ufernahen Werder des Teupitzer Sees, das mit seinen Herrschern wieder unterging und der Prägung des Schlossbaus im heutigen Königs Wusterhausen sind historisch beachtenswerte kulturelle oder soziale Leistungen von Vertretern dieses Adelsgeschlechts unbekannt. Trotz ihrer bemerkenswert langen Herrschaft hat der Volksmund in Teupitz so gut wie nichts von ihnen überliefert, keine verehrungs-würdigen Haltungen gegenüber ihren Untertanen, keine irgendwie liebenswerten Episoden, Verse oder Lieder. Was bekannt ist, wurde über Historiker, besonders von Rudolf Biedermann und Ortschronisten, ausgegraben und verbreitet. Die kritische Distanz der Teupitzer zu ihren Mächtigen mag hier eine historische Wurzel haben.

 

Baron von Parpart (1860-1910)

Im Jahre 1860 erwarb Baron Artur von Parpart Schloss und Gut Teupitz. Unter den königlichen Amtsmännern ( 1718-1812 ) war das verfallende Wasserschloss der Schenken abgerissen worden; in der Hand der folgenden Privateigentümer ( 1812 –1860 ) blieb der verwahrloste uralte Adelssitz nicht viel mehr als ein Spekulationsobjekt. Nunmehr begann eine neue Periode des Aufstiegs des Teupitzer Schlosses, die erst mit dem Tod Arthur von Parparts am 25.April 1910 ihr Ende fand.

Als Sohn eines Gutsbesitzers in Althausen bei Kulm an der Weichsel am 12. Mai 1816 gebo-ren, erhielt Artur von Parpart eine solide gymnasiale Schulbildung, studierte anschließend Jura, absolvierte als Einjährig-Freiwilliger den Militärdienst und unternahm ausgedehnte Studienreisen in fast alle größeren europäischen Länder. Nach Heirat einer Majorstochter verkaufte er das väterliche Gut, erwarb 1854 von Herzog Ernst II. in Gotha die alte Münze, baut diese zu einer Villa aus und beschäftigte sich mit Kunst und Wissenschaft. Dann aber scheinen ihn die Leidenschaften des Gutsbesitzers doch wieder gepackt zu haben und so wird er der letzte bemerkenswerte Adlige auf Schloss Teupitz.

Durch konzentrierte Anstrengungen gelang es ihm, einen Jahresertrag von über 1000 Talern zu erzielen, der die Anerkennung seines neuerworbenen Gutes als Rittergut garantierte. Voller Stolz präsentierte er deshalb sein Wappen, ein blaues Schild mit zwei roten Querbalken, über dem Hauptportal des Gutshauses.

Zwei bemerkenswerte Leistungen machten ihn landesweit bekannt. Zum einen die Wiederbelebung des Weinanbaus in Teupitz und zum anderen der erste Versuch einer künstlichen Fischzucht in der Mark . Auf der sonnenumfluteten Schlosshalbinsel errichtete von Parpart mit 4500 Fuß langen Spalieren eine der größten brandenburgischen Weinbauanlagen. Nur edelste Trauben wurden hier kultiviert und unter dem Namen „Schloss Teupitz“ in den vier bedeutendsten Berliner Wein- und Delikatessläden verkauft.

1862 studierte von Parpart die Erfahrungen, Methoden und Gerätschaften der kaiserlichen Fischzuchtanstalten in Hüningen und München und ließ sich von dort auf dem beschwerli-chen Postweg im Januar 1863 Forellen- und Lachseier kommen. An zwei Stellen im See, die sich durch eine längere Strecke fließenden Wassers auszeichneten, experimentierte er mit verschiedenen Bruteinrichtungen. Doch ein wirtschaftlicher Erfolg blieb ihm dabei letztlich versagt.

Den Zorn der Teupitzer Einwohner zog er sich zu, als er im Frühjahr 1903 die Zufahrt zum Teupitzer See am Mochheidegraben mit einer Eisenkette sperren ließ und „Zoll“ durch seinen Bediensteten „Ketten-Schultze“ kassierte. Er war der Meinung, dass der See sein Eigentum wäre und ihm dieses Recht zustände, während die Teupitzer darauf bestanden, dass die Wasserstraße durch den See von alters her öffentlich sei. Der Rechtsstreit der „Kommission zur Wahrung der öffentlichen Schifffahrts- und Uferrechte der Bürger von Teupitz und Umgegend“ mit dem Schlossherrn währte bis 1910 und endete mit dessen vollständiger Niederlage.

Kettenschulze um 1908Viele Jahre wirkte von Parpart als Abgeordneter des Teltower Kreistages, ohne von den Einwohnern der Stadt gewählt zu sein, denn die selbständigen Gutsbezirke wurden erst per Gesetz vom 27.Dezember 1927 in der Weimarer Republik aufgelöst und auf dieser Basis der „Gutsbezirk Teupitz“ mit der Stadt Teupitz vereinigt. Als Senior des Kreistages verfügte er über nicht unbeträchtlichen politischen Einfluss und genoss das Ansehen des Landrats von Stubenrauch. Große Verdienste erwarb er sich bei der Gründung des Deutschen und später des Brandenburgischen Fischerei-Vereins.

Nach seinem Tod führten die Erben den Gutsbetrieb recht und schlecht weiter, wobei die Lasten des Ersten Weltkrieges ihr übriges taten, um den erneuten Zerfall der Schlossanlagen und Besitzungen zu bewirken. Im Jahre 1922 erwarben schließlich die Seegutsbesitzer Max und Walter Rosengarten aus Bad Saarow das Schloss mit allen Ländereien und Gewässern. Der Neffe und Erbbesitzer, der Königlich-Preußische Oberst Egon von Parpart zog es vor, im Schlesischen ein Gut zu kaufen. Die einzige Tochter, Luitgard von Parpart, verstarb 42-jährig kinderlos in Rostock. Damit war auch das letzte und jüngste Teupitzer Adelsgeschlecht erloschen.

Postkarte um 1928

NS-Sinnzeichen am Schlosstor

1996 fand ich bei Recherchen zur Teupitzer Schlossgeschichte ein Foto vom Tor des Schlosses etwa aus dem Jahr 1937, das ein Symbol über der Mitte des Torbogens zeigt. Es ist kaum erkennbar und entzieht sich fast der Aufmerksamkeit des Betrachters. Ich beachtete es zunächst nicht.

Als ich 1999 im Bundesarchiv die SS-Personalakte Gerhart Drabschs, des Teupitzer Schlossherrn  von 1937 bis 1945, in die Hände bekam, stieß ich auf einen Brief seiner Frau vom 28. Oktober 1941. Er war gerichtet an den Chef des Rasse- und Siedlungshauptamtes-SS, in dessen Prager Außenstelle ihr Mann als SS-Obersturm-bannführer zu dieser Zeit eingesetzt war. Unübersehbar war auf dem Briefkopf ein Zeichen abgebildet. Mir war es unbekannt; es erinnerte mich aber dunkel an das Symbol über dem Torbogen.

Meine Neugier war geweckt und ich kam nach einigen Mühen darauf, dass es sich um  eines der Sinnzeichen handelte, die in dem scheinreligiös und mythologisch verbrämten Weltbild der NSDAP und besonders der Allgemeinen-SS unter Heinrich Himmler einen wichtigen Platz einnahmen.

Um die Bedeutung  dieser speziellen Zeichen zu entschlüsseln, suchte ich nach Literatur  und stieß unter anderem auf das  Buch  von Walter Blachetta „Das Buch der deutschen Sinnzeichen“ aus dem Jahre 1941, das als Reprint- Ausgabe von einem der offenbar rechts- und neonazistisch ausgerichteten Verlage herausgegeben wurde, die, finanziell gut ausgestattet, aktiv sein können.

Nach Blachettas Interpretation handele es sich um ein kombiniertes Sinnzeichen. Das sechsspeichige Rad soll das Sinnbild für die unermüdliche Arbeit,  für den Weg zur Vollkommenheit darstellen; das darüber stehende Zeichen symbolisiere den Baum des Lebens, des Wachstums und in der speziellen Sprossenform eine zahlreiche Nachkom-menschaft.

Doch das ‚Rad der Arbeit’ und der ‚Baum des Lebens’  erwiesen sich in der Nazi-Realität als  Gegenteil dessen, was sie scheinbar symbolisierten, als mörderisches Getriebe und Zeichen des Todes. In einem Essay von 1942 schrieb der Teupitzer Schlossherr: Die Beschäftigung mit dem alten deutschen Brauchtum sei notwendig, „nicht weil es alt, germanisch und geheimnisvoll ist, sondern weil es in unbedingter Freiheit geübt, Ausdruck unserer nationalsozialistischen Weltanschauung ist.“

Überrascht war ich, als mir in der „Nach-Wende-Zeit“ ein Briefkuvert von den in Bayern lebenden, die Rückübertragung des Schlosses begehrenden Nachfahren des Teupitzer Schlossherrn zu Gesicht kam, auf dem noch immer das in der Nazizeit über dem Schlosstor prangende Symbol abgebildet war.

Die nach dem Ersten Weltkrieg entstandene nationalsozialistische Bewegung nutzte zur Verstärkung ihres Masseneinflusses intensiv deutsche Sinnzeichen und Runen, um eine geschichtliche Rechtfertigung vorzugaukeln und eine Herkunft aus uralter Vergangenheit zu bezeugen. Sie versuchte, ihre krude heidnisch-germanische Weltan-schauung durch diese Symbolik von den christlichen Kirchen und Religionen abzugrenzen und erst recht von linken, liberalen und demokratischen Denkströmungen. Als die Nazis an die Macht kamen, wurden Symbole anderer politischer Parteien und Bewegungen verboten und ihre antifaschistisch wirkenden Träger bekämpft und ermordet.

Das von Drabsch über dem Schlosstor angebrachte Sinnzeichen ist nach dem 8. Mai 1945 entfernt worden; das entsprach dem antifaschistischen Geist in der sowjetischen Besatzungszone und der 1949 gegründeten DDR. Nachdem die SS 1945 in Nürnberg als verbrecherische Organisation verboten und 1948 ihr  Rasse- und Siedlungshauptamt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verurteilt wurde, ist die Übernahme und Beibehaltung der Sinnzeichen aus der Nazizeit mehr als fragwürdig. Das bekannteste, das Hakenkreuz, von den Nazis interpretiert als ‚Symbol des schaffenden Lebens’ und ‚Rasseabzeichen des Germanentums’ ist wegen der ungeheuerlichen Verbrechen des Faschismus als Symbol verbraucht und steht auf dem Index.

Die Allgemeine-SS hat durch ihr Tun die Bedeutung vieler Sinnzeichen, Runen und Bräuche geprägt, die nicht einfach abzuwaschen ist, auch wenn das von der Neonazi-Szene unter anderem mit Bekleidungsmarken, mit der Gestaltung von Sonnenwend-feiern und selbst mit Weihnachtsfesten versucht wird.

Deshalb ist es verständlich, dass alle Eigentümer des Teupitzer Schlosses die von Gerhart Drabsch gewählten, scheinbar lebensbejahenden Sinnzeichen seit 1945  nicht wieder über dem Schlosstor anbrachten. Das wäre nicht nur makaber, sondern leugnete die Geschichte und die Macht dieser Symbole.

Der Unterirdische Gang

Karte mit Egsdorfer Horst, Schloss und Kirche. 1993

Als im Frühjahr 1929 begonnen wurde, den von der Stadtverordnetenversammlung Teupitz beschlossenen Bebauungs- und Besiedlungsplan des Egsdorfer Horsts, der größten Insel im Teupitzer See, umzusetzen, stieß man dort auf einen tiefen Schacht. Sogleich spekulierte man in der Regionalzeitung „Der Märker“, es seien die Reste einer etwa 650 m langen unter-irdischen Verbindung zwischen dem Egsdorfer Horst und dem im Mittelalter bedeutsamen Teupitzer Schloss der Schenken von Landsberg entdeckt worden.

Etwa zwei Jahre später,  im Oktober 1931, veröffentlichte das „Teltower Kreisblatt“ in seiner Beilage „Heimat und Ferne“ einen Beitrag,  dass es in früheren Jahrhunderten einen ca. 400 m langen unterirdischen Gang aus dem Teupitzer Schloss zur Heilig-Geist-Kirche in der Stadt  gegeben habe.

Es gibt kaum einen älteren Einwohner des Städtchens,  der von diesen Meldungen nichts gehört hätte und keinen,  der sie nicht für Gerüchte halten würde. So sind sie auch in der Sußmannschen Stadtchronik von 1974 als „Mär“ behandelt worden. Wie aber ist diese „Mär“ entstanden?

In der historischen Literatur wurde sie erstmalig erwähnt mit dem fast als Standardwerk zu bezeichnenden Buch „Der Teltow“, I. Band, des Historikers und Heimatforschers Prof.  Willy Spatz im Jahre 1905. In keiner Arbeit vorher wird ein solcher Gang erwähnt,  weder bei der Schlossbeschreibung Ernst Fidicins in seiner  „Geschichte des Kreises Teltow“ von 1857,  noch in der 1902 erschienenen Teupitzgeschichte des Schulkantors und Lokalhistorikers Franz Hoffmann. Einen diesbezüglichen Hinweis enthält auch nicht die 1933 verfasste, durch umfangreiche Quellen gestützte Dissertation zur „Geschichte der Herrschaft Teupitz und ihres Herrengeschlechts, der Schenken von Landsberg“ des Historikers Rudolf Biedermann.

Auf welche Quellen stützte sich Spatz, als er 1905 schrieb: „Der unterirdische Gang,  der die Inselburg mit der Kirche verband und noch vor einigen Jahrzehnten teilweise passierbar war,  ist längst verschüttet.“ In den Anmerkungen zu dem betreffenden Kapitel verweist er auf die Zuschrift einer „Freundin der Teltowgeschichte“, die er während seiner Vorbereitungen zu der breit angelegten Chronik des Teltower Kreises,  dem Teupitz bis 1952  zugehörte, erhalten hatte. In diesem Brief heißt es:

„Mein Vater, der Ökonomie- Kommissarius Ludwig Gobbin,  hat Teupitz von etwa 1828 bis 1836 besessen (nach anderen Quellen 1836-1840, d. A.).  Es waren in damaliger Zeit noch erhebliche Reste alten Mauerwerks erhalten,  namentlich gewaltige Kellergewölbe, in denen Türen zu alten, schon damals wohl verschütteten Gängen oder Räumen führten. Nur einer dieser Gänge war bis auf ein kleines Stück gut erhalten,  der Gang vom Schloss zur Stadtkirche. Mein Bruder, der Dr. med. Karl Gobbin,  hat es einmal unternommen,  diesen Gang zu erforschen und zwar vom Schlosse aus. Er ist dabei ziemlich nahe an die Kirche herangekommen. Dann war der Gang verschüttet. Ein von der Kirche aus unternommener Versuch ergab dann die Passierbarkeit des Ganges von der Kirche her bis zu der verschütteten Stelle,  sowie die Tatsache,  dass die verschüttete Stelle ziemlich kurz war. Es ist mir nicht bekannt geworden, ob später gleiche Versuche unternommen worden sind, auch nicht, ob der Gang noch heute sich in passierbarem Zustande befindet.“

Das heißt, Spatz stützte sich lediglich auf die etwa  60 Jahre zurückliegenden Kindheits-erinnerungen der Tochter des damaligen Schlosseigentümers Gobbin an einen Erkundungs-gang ihres Bruders. Erst seine nachgewiesene wissenschaftliche Reputation und verdienst-vollen Leistungen machten diese vagen und fragwürdigen Erinnerungen zu einer Tatsachenschilderung, die seitdem in der Literatur und im örtlichen Alltagsbewusstsein lebendig geblieben ist.

In der Natur wie im städtischen Leben waren Schloss und Kirche direkt oberirdisch verbunden. Dunkle Kanäle mussten dafür im Mittelalter nicht genutzt werden. Die Einheit von Adels- und kirchlicher Macht lag durch das Patronatsrecht der Schenken offen zu Tage,  wenn auch den Teupitzer Pfarrern die ihnen zustehenden Abgaben oft genug von den Schenken streitig gemacht wurden. Als eventueller Fluchtweg von den Schlossinsassen genutzt,  hätte der unterirdische Gang gewiss in die Arme der sie vom Ufer aus belagernden Gegner geführt,  wenn diese nicht gerade in ein Gebet am Kirchenaltar versunken gewesen wären. Über technische Fragen soll erst gar nicht gerätselt werden.

Ähnlich wie das am Zusammenfluss von Dahme und Spree 1571 fertig gestellte Köpenicker Schloss war im frühen Mittelalter die Burg Teupitz am südwestlichen Ufer des Teupitzer Sees auf einem kleinen Werder an- stelle einer slawischen Burganlage erbaut worden. In der Inventaraufstellung von 1668 aus dem Archiv der Schenken von Landsberg heißt es: „Die Brücke vom Hause (Schloß) bis ans Vorwerk (unmittelbar bei der Kirche), so 143 Schritt lang,  ist teils von beschlagnem Bohlholz,  so auf Balken lieget,  teils von rundem Holze oder Lattstämmen,  hat keine Lehnen.“ (Zitiert von D. Liebchen,  1931).

Der kurfürstliche Inspektionsbericht über das Teupitzer Schloss schreibt 1685: „Gelanget man zum Schloss und Städtchen Teupitz, so lieget dasselbe überaus angenehm und lustig an einem grossen See; denn das Schloss ist auf einen kleinen Werder, auf welchem es eben raum hat, weit in den See hinein erbauet, und hänget mit der Stadt,  welche längst dem See lieget,  durch einen langen schmalen Knüppeldamm, welcher zu erhöhen und verbessern ist,  zusammen… Sonsten gehet auch zwischen dem See und der Mauer noch ein Graben fast ums ganze Schloss herum, welcher von alters zwischen zwei Wällen gelegen,  so aber nunmehr sehr eingegangen und niedrig geworden.“ (Zitiert von R.  Biedermann, 1933).

1857,  fast 200 Jahre später,  hielt Ernst  Fidicin fest: „Dass Schloß Teupitz liegt auf einer Insel des Teupitzsees und nur eine,  ehemals durch drei Zugbrücken durchschnittene schmale Landzunge verbindet es mit der Stadt.“

So ist es bis heute,  wenn auch dieser Damm längst zu einer kleinen asphaltierten Straße ausgebaut wurde,  die nunmehr das einstige „Schlosshotel Teupitz“ und die uralte „Heilig-Geist-Kirche“ verbindet. Zur Anregung zahlreicher Besuche sind die Spekulationen um einen mystischen unterirdischen Gang jedoch noch immer wirksam zu gebrauchen.

Verlöbnis der Elisabeth von Landsberg

Kurzfassung des  Autors (2005) nach  Friedrich von Klöden, „Die Quitzows und ihre Zeit“, Erstausgabe 1836/37. In seiner Einleitung schrieb von  Klöden, dass er nur Anspruch erhebe auf eine Darstellung innerhalb etwas weiter gesteckter Grenzen als jener, welche die strenge  Muße der Geschichte zu gestatten pflegt.

Albrecht Schenk von Landsberg unternahm im Jahre 1392 mit seiner Tochter Elisabeth eine Wallfahrtvon Teupitz  nach dem „heiligen Blute“ von Wilsnack. Auf dem Rückwege wurden sie im Walde bei Quitzöbel von Straßenräubern überfallen. Dietrich und Johann von Quitzow, die in der Nähe auf der Jagd waren, kamen ihnen zu Hilfe. Albrecht war verwundet worden und folgte deshalb gern der Einladung nach dem Schlosse Quitzöbel. Bei den dortigen Festen, Ausritten und Jagden verliebte sich Dietrich in die schöne Elisabeth.

Einige Wochen nach ihrer Abreise machte er sich in Begleitung seines Bruders und mehrerer Knechte zu einem Gegenbesuch nach Teupitz auf. Hinter der mit Weinreben bepflanzten Höhe bei Sputendorf (dem heutigen Waldeck, OT von Töpchin) senkte sich der Weg  hinab bis zum See. Um nicht den halben See umreiten zu müssen, hatte der Schenk von Landsberg am Berge mehrere Kähne stehen, mit denen man zum Schlosse Teupitz hinüberschiffen konnte. „Ihr wohnt wahrhaftig wie eine Seejungfrau“, sprach Dietrich zu Elisabeth, „und fast glaube ich, Ihr seid eine Nixe…“. Je näher sie kamen, desto mehr setzte die Insellage des Schlosses und seine Festigkeit die Quitzows in Erstaunen. „Wahrhaftig“, rief Johann, „wer diese Burg gebaut, hat einen guten Gedanken gehabt. Kein Felsgipfel wäre geeigneter gewesen, eine Burg zu tragen, als diese Insel.“

Die herrliche Lage des Schlosses Teupitz, Luftaufnahme 1939Die beiden Quitzow-Junker erhielten die schönsten Zimmer des Hauses mit Aussichten auf den See und die  Weinberge, welche das Morgen- und Abendlicht auf die mannigfaltigste und lieblichste Weise veränderten. Jagd und Fischfang, Spazierritte und Gespräche verkürzten Dietrich und Elisabeth die Zeit, die beiden trotz allem zu schnell entfloh. Der Abschied fiel ihnen schwer; sie suchten zu scherzen und die tiefe Bewegung des Herzens zu verstecken. Endlich riss man sich los und bestieg den Kahn, der die Brüder jenseits des Sees brachte, wo die Knechte und Pferde schon auf die Rückreise warteten.

Als in Quitzöbel der Winter herankam, wusste Dietrich seine Ungeduld, etwas von Teupitz zu erfahren,  nicht mehr zu zügeln. Er gestand seinen Eltern, ohne Elisabeth nicht mehr glücklich sein zu können. Da man sicher sein konnte, bei der Bewerbung keine abschlägige Antwort zu erhalten, wurde einstweilen ein Bote nach Teupitz entsandt, um sich nach dem Befinden und Ergehen Elisabeths zu erkundigen. Zum Brautwerber wurde der Probst Ortwyn von Berlin  auserkoren, der sich bald  aufmachte, die Werbung in Teupitz anzubringen. Drei lange Wochen zogen sich dahin, bis der Bote mit einem Brief des Herrn Ortwyn sowie mit Nachrichten von Elisabeth und Albrecht von Landsberg eintraf. Die Werbung war angenommen.

Die Schicklichkeit verlangte, dass Dietrich nun mit seinem Vater einen Besuch in Teupitz abstattete. Sie richteten es so ein, das Osterfest im Jahre 1393 in Teupitz zu verbringen. Die 12-köpfige Reiterschar, sämtlich bewaffnet und mit Helm und Harnisch versehen, machte sich auf den Weg. So unsicher es auch auf den Straßen war, so hatte ein so ansehnlicher Zug doch nicht leicht etwas zu befürchten, umso weniger, als der Quitzowsche Name allein schon geeignet war, Wegelagerer abzuhalten. Bei Probst Ortwyn in Berlin machte man Halt, um in der Klosterstraße Brautgeschenke einzukaufen. Eine  goldene Kette und edle Spangen nebst Ohrgehängen kaufte Dietrich für Elisabeth. Sein Vater und Bruder Johann fügten noch Teile hinzu. Am anderen Tage machte man sich früh auf und langte abends in Teupitz an.

Die moderne Elisabeth mit einem alten Ritter in der Schloss-BoutiqueAuf den zweiten Osterfeiertag war das Verlöbnis Dietrichs mit Elisabeth anberaumt. Es waren dazu sehr viele Gäste vom benachbarten Adel eingeladen worden. Die meisten fanden sich schon am Vormittag auf Schloss Teupitz ein. Zu ihnen gehörte auch Otto von Kittlitz, Herr zu Baruth und Vogt der Lausitz, samt seiner Gemahlin und seinen drei Söhnen. Es war eine große Gesellschaft zusammengekommen. Die Feierlichkeit wurde in der gewohnten Ordnung vollzogen und das Fest mit viel Pracht und in großer Fröhlichkeit gefeiert. Freilich war es in dem entfernten Teupitz nicht möglich, mehr als ländliche Kost und Hausmannsgerichte zu geben. Allgemein freute man sich über das schöne Brautpaar. Einige Tage nach Ostern machten sich die Quitzows wieder auf die Heimreise. Der Termin und der Ort für die Hochzeit waren festgelegt, der 6. Juli 1394 in Berlin.

Hotel „Schloss am Teupitzsee“ 1930-1934

Auf der Grundlage des für die Weimarer Zeit charakteristischen Gesetzes zur Auflösung der selbständigen Gutsbezirke vom 27. Dezember 1927 wurden das Schloss und große Teile des Grundbesitzes rechtlich der Stadt Teupitz zugeordnet, parzelliert und verkauft,  so der Egsdorfer Horst, der Kohlgarten und der Baumgarten. Das Schloss bzw. Gutshaus mit dem unmittelbar umgrenzenden Grundstück auf der Halbinsel erwarb 1929/30 der jüdische Kohlen-Großhändler Paul Hamburger. Er beantragte und erhielt die Schankerlaubnis für das Schloss am 22. August 1929, auch gegen den Widerstand der eingesessenen Teupitzer Gastwirte.

BLHA Rep. 8 Bd.3, Teupitz Nr. 66Anschließend organisierte Hamburger den grundlegenden Umbau des Gutshauses zu einem Hotel- und Restaurantbetrieb. Ein größerer Gastraum, ein Speisesaal, mehrere Logierzimmer mit Balkon wurden eingerichtet und der Rittersaal zu einer Weindiele umgestaltet. Später kamen ein Quitzowstübel, ein Prinzeßzimmerchen und Paulchens Eck hinzu. Die gesamte Garten- und Parkanlage wurde neu angelegt, um Promenaden- bzw. Freikonzerte durchführen zu können.

Schließlich erfolgte am 15. Juni 1930 die festliche Eröffnung des neuen Hotels. Zahlreiche Teupitzer und Berliner waren der Einladung gefolgt. Die Festrede hielt Herr Müller- Neuhaus, Bürgermeister von Schwerin, ab 1933 aktiver Kreisinspektor der NSDAP im Kreis Teltow; die Grüße der Stadt Teupitz überbrachte Oberinspektor Rentzel. Ein Konzert und ein festlicher Ball schlossen sich an. Erstmals seit 600 Jahren war die idyllische Halbinsel dank Paul Hamburger für die Öffentlichkeit zugänglich geworden.

Schnell verbreitete sich der gute Ruf des Hotels in Berlin und seinem südöstlichen Umland. Am 02. Juli 1930 lockte der Verkauf von Parzellen des ehemaligen Rittergutes 200 prominente Berliner Gäste auf den Schlosshof. Mitte Juli zog ein Strandfest und Sommernachtsball die Gäste an und im August fand ein Freikonzert mit anschließendem Tanz unter dem Motto ‚Italienische Nacht’ großen Anklang.

Am 11. Oktober 1930 verkaufte Hamburger das neueröffnete Hotel an den Brauer Georg Ziebarth aus Berlin-Weißensee für 100.000,00 GM (Goldmark). Zur Sicherung der Restkauf-schuld von 75.000,00 GM verpflichtete sich der Käufer zur Eintragung einer Briefhypothek zugunsten der Firma Efrem und Bicknase OHG aus Berlin. Nachdem Ziebarth am 05. Mai die Genehmigungsurkunde für das Gaststättengewerbe erhalten hatte, erschien in der Lokalpresse das Inserat:„Schloss Teupitzsee. Das historische Hotel und Pension. Besitzer Georg Ziebarth.“

Adressbuch 1931Knapp einen Monat nach der Machtergreifung Hitlers, im Februar 1933, berichtet der „Märker“, dass gegen den früheren Besitzer des Schlossgutes Teupitz, Paul Hamburger, ein Devisenprozess durchgeführt und dieser zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden sei.  Kurze Zeit später schreibt die gleiche Zeitung, die sich als „Trompete“ der NS-Bewegung verstand, dass Hamburger gegen Zahlung einer Kaution aus der Haft entlassen und ins Ausland geflohen wäre. Ob bzw. in welcher Weise dieser gesamte Vorgang um Paul Hamburger unter die Kategorie ‚verfolgungsbedingte Vermögensverluste’ einzuordnen ist, kann hier nicht sicher entschieden werden, lassen dies jedoch als sehr wahrscheinlich gelten.

Ungeachtet der unterschiedlichen Schicksale von Paul Hamburger und Georg Ziebarth nahm der Hotel- und Restaurantbetrieb zunächst einen beachtlichen Aufschwung.

 

Der Märker 6.2.1932Der Märker 19.6.1932Der Märker 7.8.1932

Zugleich wurde das Schloss ein häufig besuchter Treffpunkt der 1931 gegründeten Ortsgruppe der NSDAP und der NSDAP des Kreises Teltow. Hier tagten z. B. im März 1932 die Amtswalter der NSDAP des Kreises Teltow und mobilisierte die Ortsgruppe der NSDAP im Februar 1933 ihre Mitglieder für die ‚Abrechnung mit den Saboteuren am deutschen Wiederaufbau’. Hier wurde im Februar 1933 die mitgliederstarke NS-Frauenschaft von Teupitz unter Frau Nafz gegründet, am 20. April des gleichen Jahres eine bombastische Feier zum 44. Geburtstag des ‚Führers’ veranstaltet sowie am 01. Mai 1933 der ‚Tag der nationalen Arbeit’ mit allem nationalsozialistischen Getöse begangen.

Der neue Hotelchef, Georg Ziebarth, zog es vor, sich mit den neuen Machthabern zu arrangieren. Er wurde Mitglied der NSDAP, stellvertretender Ortsgruppenleiter und Mitglied der Stadtverordnetenversammlung.

Dem Oberpräsidenten der ‚Kurmark’ Brandenburg und Gauleiter der NSDAP, Wilhelm Kube, dem späteren Generalkommissar im besetzten Weißrußland, bereiteten er und  die Stadt in der Schenkenburg am 24. Februar 1934 einen stürmischen Empfang.

Königswusterhausener Zeitung 25.2.1934Aber offenbar half ihm dies alles nicht viel, denn im November 1934 erfolgte überraschend sein Konkurs und die Ausschreibung des Hotels zur Zwangsversteigerung.

Der Zwangsversteigerung lag nach einem Bericht der Ortsgruppe des Gaststättengewerbes ein Defizit von 10.500 RM zugrunde, was wegen der Zinsbelastung auch nicht überraschend wäre. Das neueröffnete Hotel läge zudem abwegig vom Markt in einer Sackgasse und in der Stadt wären schon 8 Gaststätten und 2 Wasserlokale, lauteten die in diesem Bericht offensichtlich aus Konkurrenzgründen vorgetragene Argumente gegen eine Weiterführung der Betriebes. So blieben die Bemühungen des Hypothekengläubigers, der Berliner Firma Efrem & Bicknase, zum Verkauf des Schlosses für 60.000 RM zunächst ca. zwei Jahre erfolglos; das Haus blieb unbewohnt und verwahrloste. Schließlich erwarb es der Kaufmann und Holzgeschäftsinhaber Karl Böttcher (1874-1943) für seine Tochter Karla Drabsch (1902-1994) und seinen Schwiegersohn Gerhart Drabsch (1902-1945), ein Kaufvertrag, der nach der Wende zum Prüfgegenstand des Amtes zur Regelung offener Vermögensfragen werden musste.

Die kurze Periode des öffentlichen Zugangs zu der idyllischen Schlosshalbinsel war damit wieder beendet.

„Schlosshotel Teupitz“ 1990-2005

Mitte der 1980er Jahre war eine durchgreifende Modernisierung und Erweiterung des als Betriebsferienheim des Zentralkomitees der SED genutzten Schlosses erfolgt. Das löste nicht wenige Diskussionen aus, insofern die DDR zu dieser Zeit schon in deutlich sichtbaren ökonomischen Schwierigkeiten steckte und z. B. Teupitz wie auch andere brandenburgische Orte nicht einmal über einen öffentlichen Trinkwasseranschluss oder eine Abwasserent-sorgung verfügte.

Das Schloss erhielt einen Ausstattungsgrad, der etwa jener der Interhotels in der DDR vergleichbar war. Durch ein neues Bettenhaus wurde die Kapazität auf ca. 60 Doppelzimmer erhöht. Die Außenanlagen bekamen ihr heute z.T. noch erhaltenes Gesicht. Der innere Betrieb wurde dem eines modernen Hotels angepasst. Die Anzahl der Angestellten wuchs auf ca. 40; für sie wurden in der Stadt Teupitz zwei neue Wohnblöcke errichtet.

Mit der angestrebten „Wende“  in der DDR und durch den Protest der Teupitzer Einwohner wurde das Hotel von der PDS im Frühjahr 1990 der öffentlichen Nutzung zugeführt. Es erfolgte die Umwandlung einiger ehemaliger SED-Heime in die Hotel-Kette ‚Belvedere Hotel GmbH‘, die zunächst der PDS zugehörte. In diesem Zusammenhang wurde auch das Schloss Teupitz  unter der Bezeichnung ‚Schlosshotel Teupitz’ für alle Märker und Berliner zugänglich gemacht und avancierte in kurzer Zeit zu einer bekannten Adresse für Urlauber, Erholungssuchende und Einheimische.

Gysi 1990  in TeupitzEine Einwohnerversammlung im Kulturhaus Teupitz hatte in hitziger Debatte den Vorschlag Gregor Gysis zur Bildung einer GmbH unter Beteiligung der Kommune und PDS zu je 50% abgelehnt und die Mahnung eines Fachmannes der Interhotelkette zurückgewiesen, dass die Vermarktung eines solchen Hotelkomplexes für eine Kommune ein abenteuerliches Unter-fangen sei. Eine Chance wurde vertan. 

 

Hotel im Privateigentum eines Bankers

Als vom ZK der SED genutztes sozialistisches Eigentum geriet das Schloss auf der Grundlage der Festlegungen des Einigungsvertrages in die Verwaltung der Treuhandanstalt, Direktorat Sondervermögen der SED/PDS. Von der Treuhand erwarb es 1993 der geschäftsführende Gesellschafter des privaten Bankhauses Löbbecke & Co. Konsul Follmer und nach dessen Tod seine Erben.

Der Kaufwunsch des Inhaberehepaares des Teupitzer Restaurants „Schenk von Landsberg“, Heiderose und Hartwig Scholz, war übergangen und der Antrag der Stadt Teupitz zur Eigennutzung des Schlosses abgelehnt worden.

Die Stadt hatte 1991 den Antrag auf dessen Übertragung in kommunales Eigentum gestellt. Ihre Begründung lautete, dass das Schloss nach seiner Enteignung zwischen 1945-49 in kommunales Eigentum überführt worden und sein Wiederaufbau nach dem Kriege ein kommunales Aufbauwerk gewesen sei, bis 1956 uneingeschränkt kommunalen Zwecken gedient hätte, dann aber durch einen Willkürakt und entgegen dem Willen der Teupitzer Bürger in die Verfügungsgewalt der SED übertragen worden wäre.

Das politisch verständliche Begehren der Stadt hatte allerdings einen rechtlichen Mangel. Das Schloss war 1948 in Volkseigentum, nicht aber in kommunales Eigentum überführt worden und Teupitz hatte lediglich die Rechtsträgerschaft, das heißt die Verwaltung dieses Volkseigentums übertragen bekommen. Diese Funktion nahm die Stadt nur in den Jahren 1948-1953 wahr, 1950 unterbrochen durch eine etwa halbjährige Rechtsträgerschaft der ‚Jugendheim’ GmbH der FDJ.

Die Rückübertragung sei zudem ein aktuelles Erfordernis, argumentierte die Stadt, um für die 1992/93 geplante Amtsverwaltung des Schenkenländchens mit ca. 20-30 Mitarbeitern möglichst schnell und ohne besondere Investitionen einen Amtssitz zu gewährleisten, wobei der Hotelbetrieb zunächst ohne Einschränkungen weitergeführt werden könne. Dies alles entspräche zugleich der Stimmungslage in der Teupitzer Einwohnerschaft. 

Entscheidender als der Rechtsmangel in der Begründung des Antrages waren für dessen Ablehnung jedoch die Interessen des Bundes. Durch die längst erlassenen gesetzlichen Rege-lungen machte er das ehemalige „SED-Parteivermögen“ im Zuge der Vereinigung Deutschlands zu seinem Eigentum und so ging die Kommune leer aus.

Das Schloss wurde 1993 ein Hotel der in Berlin-Schöneberg ansässigen ‚Fondus Industrie- und Handelsbeteiligungs- GmbH’, die für dessen Betreibung eine Tochtergesellschaft, die ‚Fondus Schloss- und Stadthotel Betriebs GmbH’ (FSS) gründete. 

Als deren Geschäftsführer wirkten in Teupitz Dipl. Ing. Wolfgang Krüger und als Hoteldirektor Dr. Rudolf Krause. Die Führungs-Crew, die schon im Berliner Domhotel und im Hilton großen Erfolg hatte, versprach, aus Teupitz einen ‚Geheimtip’ für die Hauptstädter zu machen.

Märkische Allgemeine 22.4.1993

Mit einer Kapazität von 200 Gaststättenplätzen, 60 Hotelzimmern und ca. 30 Mitarbeitern begann ein zunächst rasanter Aufschwung des Hotelbetriebs. Das Hotel, Kongresszentrum und Ausflugsziel erfreute sich besonders wegen seiner idyllischen Halbinsellage und seiner langen Geschichte des regen Zuspruchs der Brandenburger und Berliner.

Unter dem Einfluss von Konsul Vollmer und der Fondus- Gruppe entstanden konkrete Pläne zur Wiedererrichtung des alten Wasserschlosses der Schenken von Landsberg als ein Hotel der Extraklasse im südöstlichen Umland Berlins. Die beschlossenen und öffentlich gemachten Baupläne projektierten für die Zukunft: 130 Zimmer, inklusive Appartements und Maisonet-ten, ein Bankett- und Konferenzsaal für bis zu 200 Personen, Seminar- und Arbeitsräume, Restaurants, Wintergärten, ein exklusives Weinrestaurant im alten Kreuzgewölbe unterm Rittersaal, Terrassen, Fitness- Center und Swimmingpool sowie einen modernen Segelhafen. Bis Ende 1998 war der Abschluss der rund 40 Millionen DM teuren Baumaßnahmen vorgesehen.

Die Aufbruchstimmung jener Zeit wird vielleicht treffend symbolisiert mit dem damaligen Werbeslogan der Hotelführung - ‚einfach außergewöhnlich’ - und die Gestaltung einer rauschenden Hochzeit für ein junges Paar, das mit Hubschrauber auf die Schlosshalbinsel eingeflogen wurde. Doch verwirklicht wurden diese hochfliegenden Pläne nicht.

Offensichtlich gehörten sie zu jenen, in der Nachwendeeuphorie bewusst oder unbewusst geborenen spekulativen Ideen, die an der Realität des schleppenden ’Aufbau Ost’ und der krisenhaften ökonomischen Entwicklung des vereinten Deutschland scheiterten. Querelen zwischen Eigentümer, Betreiber und Stadt mögen ihren Teil dazu beigetragen haben.

Schon 1997 geriet diese GmbH in Konkurs und neuer Pächter in den Jahren 1997-2002 wurde die ‚Schlosshotel Teupitz GmbH’ unter der Hoteldirektorin Felicitas Schmidt. Sie legte die Baupläne zu den Akten und setzte auf ein schrittweise zu realisierendes Sanierungskonzept. Doch auch diese Schritte blieben aus und so kümmerte das Hotel seit der Jahrtausendwende vor sich hin und kam am 26. Mai 2003 zur öffentlichen Zwangsversteigerung.

Die erste Sitzung fand im Amtsgericht Luckenwalde statt. Der noch im Grundbuch eingetragene Eigentümer, die ‚Fondus Industrie- und Handelsbeteiligungs GmbH’, vertreten durch die Ehefrau des verstorbenen Konsuls Follmer, erwartete vergeblich ein Angebot von ca. 2,1 Millionen €, ein Mindestpreis, der vom Gericht auf der Grundlage eines Verkehrswert-gutachtens bestimmt worden war.

Schlossansicht 19972002 pachtete das gesamte Anwesen vorerst Dr. Roland Lipp, dem zu diesem Zeitpunkt bereits das Schloss- Hotel im nahen märkischen Briesen unterstand und der seine Konzeption der ‚Zwei Schlösser’ zu realisieren begann. Im Frühjahr 2003 erwarb er zugleich das  Hotel „Sophienhof“  in Königs Wusterhausen als Ayurvedazentrum und vereinigte alle drei Objekte in der Betreiber-Gesellschaft „Gingko 2000 GmbH“.  Der Gingko, dessen Ursprünge etwa 300 Millionen Jahre zurückreichen, ist bekanntlich der Baum des Jahrtausends und ein Symbol für Überlebenswille, Kraft, Ausdauer und Anpassungsfähigkeit.

Die vage Hoffnung, dass dem „Schlosshotel Teupitz“ unter diesem Symbol neues Leben eingehaucht würde, erfüllte sich nicht; im Gegenteil, sein Niedergang vollzog sich noch schneller und wurde auch nach außen sichtbar.  Schließlich wurde das Schloss beim dritten Anlauf im Amtsgericht Luckenwalde am 27. Juli 2005 zu dem Angebot von etwa 1 Million € zwangsversteigert und ein neuer Eigentümer tätig.

 

Beachtliche gastronomische, kulturelle und politische Leistungen

Märkische Allgemeine 1.2.1994

Hier sei, unabhängig von für die seit der Wende charakteristischen Umbrüchen in den Eigentumsverhältnissen, noch einmal an die beachtlichen Leistungen  der Hoteldirektoren Dr. Rudolf Krause und Felicitas Schmidt und ihres einsatzbereiten und fähigen Personal  erinnert.

Zum einen legte das Haus größten Wert auf eine hohe Qualität der gastronomischen Betreuung. Mit dem stellvertretenden Küchenleiter Reinhold Franke und dem anerkannten Chefkoch Roy Augustin konnte die Zielstellung - „Ein Schloss mit Geschmack“ - stets gesichert werden. Im April 1995 beispielsweise trafen sich im Rittersaal 50 führende Gourmets vom Berlin-Brandenburgischen Klub der Köche, um bei einem 3-stündigen Menü die Kochkünste des 30-jährigen Schweriners Roy Augustin zu prüfen und zu würdigen. 1997 gelang es, in den von der Zeitschrift „Feinschmecker“ gekürten Kreis der besten Restaurants Deutschlands aufgenommen zu werden. Magisch zog es die Sonntagsbummler zum Schloss-hotel, als ein Wettbewerb der 13 besten Barkeeper Brandenburgs zelebriert wurde. Der Nutzung spezifisch märkischer Rezepte wurde größtes Augenmerk geschenkt. Charakte-ristisch war die gemeinsame Veranstaltung mit einem märkischen Lebensmittelhersteller aus Roggosen bei Cottbus.

Zum anderen galt als Richtschnur, Literatur, Musik und bildende Kunst auf besondere Weise mit kulinarischen Genüssen zu verbinden. Schlosshof und Rittersaal bildeten dafür ein beein-druckendes Ambiente und verwandelten sich zu Auftrittsorten exzellenter Künstler. Das Spreewaldtheater gastierte, Ursula Karusseit und Andreas Unglaube gestalteten einen Karl-Valentin-Abend, Jochen Petersdorf brillierte mit seinen Texten vom Eulenspiegelverlag, der Cheflektor des Aufbauverlages Dr. Gerhard Erler las Fontanetexte. Es erklangen südamerika-nische Rhythmen der chilenischen Gruppe „Tiemponuevo“, Werke von Bach und Händel vom Kammerorchester „Musici da camera“ Eberswalde und Interpretationen des „Ensemble Flauto Dolce“. Ingrid Arndt präsentierte frühlingshafte Seidenblumen und Osterdekorationen; Beate Bolender zeigte Glasbilder, Glasschmuck und architekturbezogene Glasgestaltungen; bestaunt wurden die eigenartigen Skulpturen und Bilder Wilfried Duwentesters und die Miniaturschlösser Manfred Graf von Kiedorfs; Beifall fanden die Modeschauen der Schloss-Boutique unter Edeltraut Gottschalk.

Und schließlich konnte das Schloss auch als Begegnungsstätte und Konferenzhotel auf sich aufmerksam machen. Die Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Johannes Rau weilten hier; der brandenburgischen Ministerpräsident Manfred Stolpe konnte begrüßt werden und der Berliner Ex-Bürgermeister Walter Momper plauderte im Rittersaal.

Märkische Allgemeine  18.5.1995

Anlässlich der ILA-Eröffnung 1998 landeten 6 Hubschrauber mit führenden Managern des Mercedes-Benz Konzerns auf der Schlosshalbinsel. Die Planungschefs der Auswärtigen Ämter von 22 europäischen Staaten pflegten 1994 im Konferenzsaal einen offenen Gedanken-austausch über die Ost-Erweiterung der Europäischen Union. Begrüßt wurden sie vom brandenburgischen Justizminister und Minister für Europa-Angelegenheiten Hans Otto Bräutigam.

 

Offene Perspektive

Die Perspektive des ‚Objekts’ scheint nach der Zwangsversteigerung am 27. Juli 2005 völlig offen zu sein. Der Zugang zum Schloss ist wieder mit dem alten eisernen Tor aus der Zeit des ZK-Heims verschlossen.

Verschlossenes Schloss 2005Neben der akuten finanziellen Misere, deren konkrete Hintergründe, Ursachen und Zusammenhänge der Öffentlichkeit verborgen und verschwiegen blieben, werden der bestehende Landesdenkmalschutz, der komplizierte Baugrund und die widersprüchlichen Eigentumsverhältnisse an der Schlosszufahrt jedem Eigentümer/Betreiber eine effektive Verwertung der Schlossanlagen erhebliche Schwierigkeiten bereiten.

Geblieben sind noch immer die herrliche Lage und das historische Potential des Schlosses sowie die Hoffnung auf den nachhaltigen Aufschwung eines Hotelbetriebs. Hier verknüpfen sich Romantik und Wirklichkeit, Geschichte und Natur, sportliche Erholung und sinnvolle Entspannung, lautete 1997 das Urteil der Presse treffend.

Erinnert sei daran, dass das einst stolze Wasserschloss der Schenken von Landsberg 80 Jahre nach dem Erwerb durch das preußische Königshaus  um 1790 abgerissen werden musste, nach dem 1812 erfolgten Verkauf durch die preußische Domänenverwaltung fast 50 Jahre nur als Spekulationsobjekt diente und 1934 schon einmal zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben worden war.

Unvergessen bleibt aber seine große Vergangenheit als 400-jährige Residenz der Schenken von Landsberg, als anerkanntes Rittergut des Baron von Parpart und seine kurzen aber beeindruckenden Auftritte als  Hotel „Schloss am Teupitzsee“ zu Beginn der 1930er und als „Schlosshotel Teupitz“ in der Nachwendezeit. Höhen- und Tiefpunkte seiner Entwicklung gleichermaßen bedenkend, hoffen Stadtväter und Einwohner von Teupitz, dass das Herz der Stadtentwicklung irgendwann wieder kräftig zu schlagen beginnt.